Osteoid-Osteom

Minimal-invasive Therapie durch Thermokoagulation



Definition und Vorkommen

Das 1935 von Jaffe erstmalig beschriebene Osteoid-Osteom (OO) ist ein gutartiger, osteoblastärer Tumor. Der Anteil an der Gesamtzahl der gutartigen Knochentumoren beträgt ca. 12%. Es tritt überwiegend bei Adoleszenten in der 2. ̵ 3. Dekade auf. Männer sind 2-3 mal häufiger betroffen als Frauen. Es ist meist in der Diaphyse langer Röhrenknochen lokalisiert, kommt aber auch gelenknah und in der Wirbelsäule vor.


Morphologie

Histologisch besteht das OO aus einem zentralen Nidus (Ø < 15mm) aus nicht verkalkter, gut vaskularisierter Grundsubstanz mit stark proliferierenden Osteoblasten ohne Atypien. Der Nidus ist von einer Osteosklerose in der Spongiosa oder Kortikalis umgeben.


Klinik

Klassich ist der Nachtschmerz mit gutem Ansprechen auf Salizylate und NSAR. Der Schmerzcharakter ist eher diffus und wird vom Patienten nicht exakt lokalisiert. Bedingt durch die Schmerzsymptomatik oder bei Lokalisation in der Nähe von Gelenken oder Wachstumsfugen können bei längerer Anamnese Komplikationen wie Wachstumsstörungen, Skoliosen und Arthrosen auftreten.


Diagnostik

Salizylat-Test

Röntgen

Knochenszintigraphie

CT (Abb.1) oder dynamische CT mit KM

NMR mit KM (Abb. 2)

            

Abb.1 CT: OO im prox. Femur                                             Abb.2 NMR: OO im Femur



Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch muss besonders der Brodie Abszess in Betracht gezogen werden, der jedoch eine wesentlich langsamere Kontrastmittelaufnahme im dynamischen CT oder NMR zeigt und nur gering oder gar nicht auf Salizylate anspricht. Darüber hinaus kann auch das Osteoblastom einem Osteoid-Osteom ähneln. Es hat einen grösseren Nidus (Ø>15mm), verursacht jedoch keinen typischen Nachtschmerz und weist keinen sklerotischen Randsaum auf.


Therapie

Die konservative Therapie des OO besteht in der pharmakologischen Langzeittherapie mit Salizylaten oder NSAR. Der Nachteil dieser Behandlung liegt in den bekannten Nebenwirkungen und Komplikationen dieser Medikamente.

Die klassische operative Therapie besteht in der vollständigen chirurgischen Resektion. Die intraoperative Tumoridentifikation und seine vollständige Entfernung gestalten sich jedoch mitunter schwierig, oft ist ein ausgedehnter Weichteilzugang erforderlich. Zusätzlich kommt es durch die Ausräumung des Tumors in vielen Fällen zu einer Frakturgefährdung, die eine interne Stabilisierung mit oder ohne Knochenersatzplastik notwendig macht. Ein mehrtägiger stationärer Aufenthalt und eine längere Nachbehandlungsphase sind die Folge.

Klinische Studien zeigen eine Erfolgquote von 88-95% bei der chirurgischen Resektion von Osteoid-Osteomen. Als wesentliche Komplikationen werden Frakturen und Infektionen beschrieben.

Bei der Thermokoagulation wird das Osteoid-Osteom im Gegensatz zur offenen chirurgischen Resektion lediglich über eine Stichinzision in Vollnarkose perkutan unter CT oder NMR (offen) Kontrolle angebohrt oder punktiert. Durch eine Kanüle oder einen kanülierten Bohrer wird dann eine Thermosonde (Abb. 3) im Nidus des OO plaziert (Abb. 4). Die anschliessende Thermokoagulation erfolgt bei kontrollierten 90° über 4 Minuten. Die aktive Zone um die Sondenspitze hat einen Durchmesser von ca. 1,5 cm. Ausserhalb dieses Areals fällt die erreichte Gewebstem

peratur perfusionsbedingt rasch unter ein gewebeschädigendes Niveau. Der Sicherheitsabstand neurovaskulärer oder anderer sensibler Strukturen wie z.B. der Wachstumsfugen von der Sondenspitze sollte daher mindestens 1,5 cm betragen. Nach der Thermokoagulation kann über die Kanüle oder den Bohrer noch ein Lokalanaesthetikum zur postoperativen Schmerztherapie instilliert werden. Die Dauer des stationären Aufenthaltes beträgt 48 h, die Vollbelastung kann postoperativ schmerzadaptiert in 1-2 Tagen erreicht werden. In Abhängigkeit von der Lokalisation sollte auf Lauf- und Sprungsportarten sowie erhebliche körperliche Belastung für 6 – 12 Wochen verzichtet werden.

Klinische Studien zeigen eine Erfolgsquote von etwa 90% bei der Thermokoagulation von Osteoid-Osteomen. Wesentliche Komplikationen sind bisher nicht beschrieben worden.

 

Abb.3. Thermosonde im Vergleich mit einem
            Streichholz
Abb.4: Thermokoagulation unter CT-Kontrolle:
            
Thermosonde im Nidus

                    
                                               

Zusammenfassung

Mit der Thermokoagulation steht ein zuverlässiges minimal-invasives Verfahren zur Therapie des Osteoid-Osteoms zur Verfügung. Im Vergleich zur offenen chirurgischen Resektion reduziert sie die Morbidität und die Behandlungsdauer bei gleicher Rezidivrate erheblich. Nur in Ausnahmefällen, so bei ungünstiger Tumorlokalisation oder unsicherer Diagnose, erscheint ein offenes Vorgehen weiterhin indiziert. Auch eine langjährige medikamentöse Therapie mit Salizylaten oder NSAR erscheint unter Berücksichtigung der möglichen Komplikationen nicht mehr gerechtfertigt.


Planung:

Zur ambulanten Vorstellung bitten wir um telefonische Anmeldung unter 06841/1624520.

Ansprechpartner für die Thermokoagulation ist :

Dr. med. Jochen Jung